Wanderfahrt von Ratzeburg, Lübeck bis Kiel: Schau.Dich.Um - Du bist nicht allein auf Wanderfahrt.

Erstellt von Carla Schweizer (Text), Jochen Betten (Bilder)||Verein

Stechmücken, Libellen, Biber, umgefallene Bäume, Segelboote, Kanuten, Frachter und abenteuerlustige RuderInnen sind mit dabei. Eine Fahrt von Ratzeburg über Lübeck bis nach Kiel. 

Ruder-Tag 1: Die rettende Autan-Flasche und der Spiegelklatscher - Über den Schaal- und Ratzeburgersee zum Zeltplatz an der Wakenitz.

Bis unsere Boote in den Schaalsee ins Wasser gelassen werden konnten, mussten wir sie erst von einem Parkplatz retten. Jede Person, die sich den Booten näherte, war von einer Wolke aus Stechmücken umgeben. Vermutlich war das auch der Grund, warum wir hier keine Wild Camper angetroffen hatten, sondern nur eine einsame Autan Flasche direkt am Eingang eines Wohnmobils. Auf der Flucht vor den Stechmücken kam es dann noch in einer engen Baumallee zu einer Kontaktaufnahme mit der Bundespolizei. Diese Strecke war bei der lokalen Polizei bereits bekannt für ihre „Spiegelklatscher“ und genau das war passiert. Vor allem unangenehm für die zwei Bundespolizei Beamten, bei denen alle paar Minuten neue Kolleginnen vorbei gefahren kamen und neugierig schauten, was hier passiert war. Unsere Unfallstelle war auf jeden Fall sehr gut mit Blaulicht abgesichert. Am Schaalsee angekommen, ging es dann endlich los. Traumhaft schönes Wetter, eine wunderschöne Fahrt über den See und ein Naturspektakel von Eintagsfliegen am Abend ließen die Sorgen am Morgen vergessen.

Ruder-Tag 2: schattiger Flusslauf und malerisches Fischerdörfchen - Von Zeltplatz an der Wakenitz nach Lübeck.

Ausgehend von unserem Base-Camp am Nordende des Ratzeburger Sees ruderten wir gut gelaunt über kleine schattige Flussläufe bis nach Lübeck. Mal abgesehen von wenigen Kanuten waren wir zu Beginn fast allein auf dem Wasser. In Lübeck am Bootshaus angekommen ging es direkt weiter nach Gothmund, einem kleinen Fischerdörfchen mit traditionellen Reetdach Gebäuden. Anlegen war hier eigentlich nicht vorgesehen, aber nach Annes nettem nachfragen möglich. Zum Abschluss des Tages konnten wir um die Altstadt von Lübeck rudern und die Altstadt direkt vom Wasser aus bewundern. Eine völlig andere Perspektive.

Ruder-Tag 3: Die Umtragefalle mit windbedingter Zwangspause in Malente - Fahrt über den Westteil des großen Eutiner See und den Plönersee nach Plön anstatt Preetz.

Die Fahrt hat mit einem schmalen und sehr spaßigen Abschnitt auf der Schwentine begonnen. In diesem dicht bewachsenen und engen Teil mussten sich die langen Boote durch den Flusslauf winden und es wurde einiges an Können von den Steuerpersonen abverlangt. Der Spaß hatte jedoch abrupt sein Ende gefunden, als wir an einer Mühle standen und die geplante Umtragestelle überhaupt nicht für Ruderboote geeignet war. Da hatte der „Wahrsager“ ausnahmsweise mal Recht. Zum Glück hatte das nachfolgende Boot einen kleinen Steg weiter vorne entdeckt, an dem ein Umtragen möglich war. Kaum wollten wir die Boote in Malente wieder zu Wasser lassen, hatte jedoch der Wind so stark zugenommen, dass Schaumkronen auf den Wellen sichtbar wurden und wir eine Pause einlegen mussten. Das bedeutete, dass wir umplanen mussten und nicht die ganze Tagesetappe vor Sonnenuntergang rudern konnten. Ein Dank geht an Jochen, Anne und Christiane, die kurzfristig einen neuen Liegeplatz für die Boote beim Plöner Ruder- und Segelverein organisiert hatten. So konnten wir nach einer langen sonnigen Pause am See in die Abenddämmerung hinein rudern. Dabei sollte uns ein neues digitales Karten Upgrade unterstützen, welches uns jedoch erstmal in eine Sackgasse geführt hatte. Am Ende sind wir gut in Plön angekommen und hatten uns auf dem Landweg nach Preetz, unserem eigentlichen Tagesziel, über die wundervollen Autokennzeichen – PlöP -PlöRE – amüsiert.

Ruder-Tag 4: abenteuerlicher Flusslauf mit Baumsperren, die längste Umtragestelle und Feierabend Segelverkehr – Von Plön über der Schwentine bis zur Kieler Förde

Nachdem wir mit der Bahn zu unseren Booten gefahren waren, ging es wieder direkt auf das Wasser. Dieser Tag war geprägt von einem abenteuerlichen Flusslauf der Schwentine, der immer wieder von größeren Seen unterbrochen war. In diesem Abschnitt musste die Mannschaft vor engen Kurven, dicht bewachsenen Schilfufern, niedrigen Brücken und herabhängenden Ästen gewarnt werden. Zudem fuhren immer wieder Libellen ein Stück mit unseren Booten mit oder Haubentaucher Küken verschwanden schnell im Schilf. Der Fluss wand sich bis zu unserer Umtragestelle durch den Wald. Kaum war das Boot auf den Wagen gehoben, ging es um die 2km über Land mitten durch den Außenbreich eines Gasthofes durch, bei dem unsere Boote gerade so um die Kurve gepasst hatten und einige Gäste ausweichen mussten. Kaum waren die Boote wieder im Wasser, mussten wir uns an einem umgefallenen Baum hindurch quetschen, und konnten dann bis zur Kieler Förde rudern. Dort angekommen wurden wir von Segelbooten eingekreist, durch die wir uns hindurch zu unserer Unterkunft manövrieren mussten. Das neue Kieler Bootshaus, mit einer grandiosen Dachterrasse sollte unsere Unterkunft für diese Nacht sein.

Ruder-Tag 5: Schleusen mit den „Großen“ und die Row-In Jugenherberg – Über den Nordostseekanal und den verbotenen Westensee nach Westensee.

Heute stand das Abenteuer Schleusen auf den Nord-Ostsee-Kanal auf dem Programm. Jörn war gut vorbereitet und konnte den Schiff Funk mithören, wodurch wir zumindest informiert waren, dass wir in bei dem nächsten Schleusen-vorgang mitfahren konnten. Und so lagen wir direkt gegenüber einem mittelgroßen Frachter in der Schleuse und wurden kaum merklich auf das neue Niveau abgesenkt / angehoben? Nach 12 km monotonen Nordostseekanals bogen wir ab Richtung Westensee. Auf diesem angekommen, nutze die Mannschaft eines Boots direkt die Chance ins erfrischende Wasser zu springen. Alle gleichzeitig. Nach einigermaßen zügiger Überfahrt (mal abgesehen von der Irrfahrt ins Naturschutzgebiet) konnten wir einfach direkt an unserer Jugendherberge anlegen und die Boote versorgen. Auch hier war unser Bootswagen im Einsatz. Er hatte jedoch langsam genug von der Schlepperei und fing immer schlimmer an zu heulen. Doch trotz der „Wagen-Quälerei“ brachte er auch dieses Mal die Boote sicher an die Unterkunft.

Ruder-Tag 6: Lunchpaket-Challenge und Verfolgungsjagd - Zurück zur Kieler Förde, mit einem Bade-Abstecher am Falkensteiner Strand.

Nachdem Stefan zum Gewinner der Lunch-Paket Einpack-Challenge gekürt wurde, ging es über den Westensee und den Nordostseekanal wieder zurück in die Kieler Förde. Dabei wurden einige neue Ruderkommandos, wie „Danke“ und „Biber“ etabliert. Und entgegen allen Erwartungen hatten wir keinerlei Wartezeit an der Schleuse und damit noch Zeit für einen Badeausflug an den Falkensteiner Strand. Auf dem Weg dorthin waren wir Zeuge einer Verfolgungsjagd, die sich die Küstenwache mit einem Sportboot geliefert hatte. Dieses war zu schnell unterwegs und hatte die mehrmaligen lauten „Mööööp“ Warnsignale der Polizei – mutmaßlich unabsichtlich - ignoriert worauf hin die Küstenwache eine 180 Grad Drehung hinlegte, und versuchte das Boot einzuholen. Nach diesem aufregenden Tag hatten wir uns am Abend die leckere Riesen-Pizza verdient

Ruder-Tag 7: nochmals Schwentine oder Kieler Innenförde. Egal welches Boot ein Selfie mit der AIDA war immer dabei.

Am letzten Ruder-tag teilte sich die Mannschaft in zwei Gruppen. Die einen ruderten nochmals die Schwentine entlang und die anderen fuhren einmal in den Innenhafen und entspannten dann gemütlich am Kieler Bootshaus mit einem leckeren Eis. Die Wanderfahrt endete mit einem gemeinsamen Grillabend auf der Dachterrasse.

Vielen Dank an Jochen und Christiane für die Organisation. Vielen Dank an alle die immer wieder das Auto und den Anhänger geholt haben. Vielen Dank an alle die gekocht und eingekauft hatten.

Es war sehr schön mit euch diese abwechslungsreiche Wanderfahrt zu erleben.

Carla Schweizer

Und die Fahrtenleitung sagt Danke an eine abenteuerlustige, anpackende, immer gut gelaunte Gruppe für eine Woche Ruderspaß.

Jochen Betten