Die Geschichte des Stuttgart Cannstatter Ruderclub

Eine Geschichte vieler Bootshäuser

Wie auch in Hamburg, Frankfurt und Berlin geht der Rudersport am Neckar auf englische Einflüsse zurück. Vermutlich besuchten einige junge Engländer die Schule in Cannstatt und brachten das Rudern als neue Sportart mit. Um 1879/1880 traten Cannstatter Ruderer nachweislich auf den Süddeutschen Regatten an.

Mitte der 1890'er hatte der Cannstatter Ruderclub "Neckar" seine sportliche Glanzzeit, wie man in den Jubiläumsschriften anderer Vereine der Umgebung erfahren kann. So kann man in der Festschrift der Heilbronner Rudergesellschaft Schwaben ein Bild des damaligen ersten Achters auf der Heilbronner Regatta von 1893, dem sogenannten Königsachter, sehen. Damals traten die Cannstatter gegen die Frankfurter "Germanen" und die Heilbronner "Schwaben" an.

Um die Jahrhundertwende verschwand der Cannstatter Ruderclub "Neckar" aus ungeklärten Gründen aus Mitschriften. Aus dieser Zeit sind keine weiteren Dokumente über die Vorläufer des Ruderns in Cannstatt erhalten geblieben.

Anfang des 20. Jahrhunderts existierte in Stuttgart die Rudergesellschaft „Schwaben“. Überlieferungen zu Folge eskalierten dort Streitereien um einen Boots-Unfall, bei dem ein Vierer zu Schaden kam. Die verantwortliche Mannschaft kaufte das beschädigte Boot auf, trat aus der Rudergesellschaft aus und gründete einen eigenen Verein.

Die Gründung des StCRC

Ab 1910

Am 1. September 1910 gründete also besagte Mannschaft den Cannstatter Ruderclub (CRC), der heute Stuttgart-Cannstatter Ruderclub heißt. Als erster Vorsitzender wird Paul Kreuzhage gewählt.

Als Bootshaus diente für die ersten 2 Jahre ein alter, baufälliger Schuppen auf der Berginsel. Dieser wurde in wochenlanger, schwerer Arbeit instandgesetzt und hergerichtet. Auch der beschädigte Rennvierer wurde repariert und noch im gleichen Jahr auf den Namen "Cannstatt" getauft.

Der Rest der ursprünglichen Rudergesellschaft "Schwaben" fusionierte bald darauf mit der bereits 1899 gegründeten "Stuttgarter Rudergesellschaft". Der CRC kaufte daraufhin 1912 das leerstehendes Bootshaus der ehemaligen "Schwaben" beim Gaisburger Wehr, und schaffte damit die Grundlage für die weitere Entwicklung des Clubs.

Die Mitgliederzahl des neuen Vereins nahm in den folgenden Jahren ständig zu. Der Bootspark wurde um einen Gig-Vierer erweitert und der CRC in den Deutschen Ruderverband aufgenommen (1912).

Die Entwicklung des StCRC

Ab 1920

Nachdem der CRC zunächst einen beachtlichen Mitgliederzuwachs erzielen konnte, wurde diese Entwicklung durch den 1. Weltkrieg unterbrochen. Sämtliche Aktive werden zum Wehrdienst eingezogen.

Erst einige Jahre später beginnen einige Kriegsrückkehrer mit dem Neuaufbau des Clubs. Die sich ständig vergrößernde Mitgliedszahl und die dadurch zur Verfügung stehenden Mitteln ermöglichen es dem CRC als Verein wieder aufzublühen.

1922 kann somit der erste Rennachter angeschafft werden. Dieser wurde auf den Namen Württemberg getauft. In den darauffolgenden Jahren sind einige Mitglieder sehr aktiv und auch durchaus erfolgreich bei zahlreichen Wettkämpfen in der Umgebung gestartet.

Bald schon muss sich der Verein seine bereits dritten Vereinshallen suchen. Das Bootshaus in Gaisburg fällt der Neckarkanalsierung im Jahr 1929 zum Opfer.

Ab 1930

Daraufhin bricht eine schwierige Zeit an. An 4 Plätzen, die bis zu 2 km voneinander entfernt liegen, werden die Boote gelagert. Ganz zu schweigen von den Umkleidemöglichkeiten. Durch den Ausbau der Staustufe hat der Neckar auf der Staustufe Cannstatt auch teilweise nicht genügend Wassertiefe um trainieren zu können. Letztlich wird dem Verein ein Gelände in Untertürkheim zur Verfügung gestellt. Erneut wird hier ein Bootshaus gebaut.

Jetzt können alle Ruderer wieder richtig durchstarten. Das macht sich auch wieder durch zahlreiche Teilnahmen und auch Siege bei Wettkämpfen in der Umgebung deutlich.

Ab 1940

Ab den 40ern Jahren kommt auch die Jugendabteilung richtig in Schwung. Den Jugendlichen wird ein Trainer zur Seite gestellt, so dass sich diese in den kommenden Jahren im nationalen Umfeld erfolgreich profilieren können.

Bereits knapp 10 Jahre nach Erbau des dritten Bootshauses in Untertürkheim fällt dieses der Erweiterung von Daimler-Benz zum Opfer. Auf dem Wasen entsteht eine Behelfsbootshaushalle. So kann der Ruderbetrieb, zwar stark eingeschränkt, aufrecht erhalten werden.

Die Rennmannschaften werden in den kommenden Monaten durch Einberufungen auseinander gerissen.

Ab 1950

Während des Kriegs fällt die spärliche Clubanlage auf dem Wasen teils dem Bombenkrieg und teils Plünderungen zum Opfer. Nach Kriegsende wird der StCRC trotzdem eilig wieder ins Leben gerufen. Das nun mittlerweile schon fünfte Bootshaus entsteht in der Voltstraße. Die tatsächliche Lizenz der Vereinsführung wird durch die amerikanische Besatzung erst 1947 vergeben.

Die Trainingsruderer können in den nächsten Monaten zahlreiche regionale Wettkämpfe erfolgreich bestreiten und fahren einige Siege für den Verein heim. In den darauffolgenden Jahren können sich zahlreiche Männer- und Frauenmannschaften vor allem auch im nationalen Umfeld erfolgreich behaupten.

Ab 1960

In den 60ern wird das nun sechste und aktuelle Bootshaus für den StCRC geplant und gebaut. Am 03. Mai 1964 erfolgte nach jahrlanger Planung und Einholung relevanter Genehmigungen die Grundsteinlegung zum neuen Bootshaus in der Wagrainstraße.

Ebenfalls im Jahr 1964 besteigt zum ersten Mal ein versehrter Kriegsveteran ein Ruderboot beim StCRC. Darauf folgt eine höchst erfreuliche Zusammenarbeit zwischen der Versehrtensportabteilung des Turnerbund Bad Cannstatt und dem StCRC. Jeden Dienstag wird im StCRC ein Termin zum Versehrtenrudern angeboten.

Am 26. September 1965 ist es dann soweit, das „Neckarschloss“ steht und das Bootshaus wird offiziell eingeweiht.

Ab 1970

In den Jahren danach sind nach wie vor die Trainingsruderer sehr erfolgreich – unter anderem werden etwa zahlreiche Siege, zweite und dritte Plätze bei den Deutschen Meisterschaften eingefahren. Höhepunkte waren unter Trainingsleitung von Heinz Fritsch die Goldmedaille im Leichtgewichtachter bei den Weltmeisterschaften in Nottingham im Jahr 1975 und die Teilnahme zweier Frauen im Frauen-Achter bei den Olympischen Spielen 1976. In den nächsten Jahren haben die Trainer immer wieder mit dem Schwund der Trainingsmannschaft zu kämpfen, schaffen es aber immer wieder diese erfolgreich aufzubauen.

Auch das Wanderrudern erfreut sich höchster Beliebtheit. Bis zu 28 Fahrten werden pro Jahr veranstaltet.

Und so lebt der Verein auch heute noch sehr aktiv weiter, die Rennruder nehmen an regionalen, nationalen bis internationalen Wettkämpfen teil und behaupten sich bestens. Auch das Wanderrudern ist noch heute einer der Höhepunkte für viele Mitglieder in der Rudersaison. Und selbstverständlich stoßen zahlreiche Rudertermine in der Woche auf großen Andrang der Mitglieder. Während der Rudersaison trifft man nahezu jederzeit jemandem am Bootshaus bzw. auf dem Wasser.