Wanderfahrt „Berliner Gewässer“ – Himmelfahrt 2026
Vom 14.05. bis 17.05. fand die Wanderfahrt „Berliner Gewässer“ mit 24 Teilnehmern statt. Da wir für die diesjährige Himmelfahrtswanderfahrt sowohl im Bootshaus des Berliner Ägir Clubs übernachteten als auch deren Boote uns ausleihen durften, war die Anreise ohne Bootsanhänger entspannt: entweder als Fahrgemeinschaft im PKW oder mit der Bahn. Familien-Orga-Team Klein reiste früh an, um alles an Ort und Stelle zu klären; eine weitere Gruppe kam mit der Bahn und nutzte den Mittwoch für Sightseeing in Berlin; Beate besuchte ihre Familie vor Ort. Und der Rest trudelte am Mittwochnachmittag, -abend oder am Donnerstag gegen 1 Uhr morgens in Friedrichshagen ein. Wir bezogen unser Quartier: es gab ein Familienzimmer und ein 4-Bett-Zimmer, der Rest war im 16er- Stockbettlager, aber dank Ohrstöpsel und bequemen Matratzen gab es für die meisten mehr Schlaf als erwartet.
1. Tag: Die Eisheiligen lassen grüßen bei der 1936er Olympiastrecke (16 km)
Am ersten Rudertag ging’s nach dem reichhaltigen Frühstücksbüffet im Bootshaus Ägir direkt aufs Wasser – in geschichtsträchtigen Holzbooten an der Müggelspree entlang. Die Eisheiligen ließen grüßen bei frischem 8 bis 10 Grad und kräftigem Wind. An der Müggelspree gab es viel Grün, einige Bootshäfen, Rudervereine und ehemalige Industriegelände auf dem Weg nach Köpenick, bevor wir in die Dahme zur Olympiastrecke einbogen. Die 2.000 Meter lange Olympiastrecke von 1936 mit Tribüne, markierten Bahnen sowie Start- und Ziellinien ruderten wir bei frischem Wind, Wellen und immer dunkler werdendem Himmel. Bei einer Pause im Spree Ruder Club Köpenick fing der Regen an. Dort wurde uns freundlicherweise Kaffee angeboten und wir durften uns aufwärmen, während die älteren Ruderbären des hiesigen Clubs sich mit Bier, Korn und Trinksprüchen am Nebentisch vergnügten. Wir wurden auf der Rückfahrt wieder nass. Leider zog ein heftiges Gewitter nach dem Mittagessen auf, was das Weiterrudern Richtung Müggelsee einen Strich durch die Rechnung machte. Stattdessen blieb Zeit zum Ausruhen, für eine Wanderung nach Köpenick auf den Spuren des Hauptmanns von Köpenick im Rathaus oder für einen Besuch des Straßenfests im Friedrichshagen. Ein leckeres Abendessen gab’s an einer großen Tafel beim Italiener Tresoli in Friedrichshagen.
2. Tag Grünidylle auf den Seen und Känälen rund um Köpenick (41 km)
Bei viel freundlicherem Wetter ging’s in einer großen Schleife zuerst zum glatten Müggelsee, der größte See Berlins mit seinen weiten Wasserflächen und bewaldeten Ufern. Bei Sonnenschein ruderten wir weiter in die schmalen Seitenkanäle von Neu-Venedig mit ihren Weiden am Ufer, liebevoll angelegten Gärten und geschmückten Wochenendhäusern bis hin zum Falkensee, den am weitesten entfernten Punkt unserer Tour. Dort machten wir Pause und stärkten uns bei Vesper und Kaffee. Dann auf den Rückweg ging’s über den Seddinsee bis Berlin-Grünau, wo wir unter deutlich besseren Bedingungen die Olympiastrecke nochmal rudern durften. Anschließend ging es an Köpenick mit seiner Schlossinsel und dem Backsteinrathaus vorbei zurück zum Club. Abendessen gab’s im Clubrestaurant mit erstaunlich vielseitigem Angebot, wenn man die Größe der Küche bedenkt. Nach Eis mit Eierlikör wollten plötzlich viele auch mal ein Likörchen. Der Abend wurde feuchtfröhlich und wir gingen alle beseelt ins Bettenlager.
3. Tag Teltow-Kanal und Spree bis zur Oberbaumbrücke (35,5 km)
Am dritten Tag ruderten wir wieder nach Köpenick und bogen dann Richtung Berlin-Innenstadt ab. Wir fuhren auf den Teltowkanal, wo Berliner Industriegeschichte und Natur sich begegnen: ehemalige Fabriken, alte Hafenanlagen und gleichzeitig Reiher, spiegelnde Wasserflächen und lange Radwege am Ufer – alles erstaunlich grün für einen Großstadtmetropol. Am Club der Rudergesellschaft Wiking wurde gevespert.
Anschließend ging es weiter Richtung Stadtmitte. Je näher wir dem Stadtkern kamen, desto mehr sah man ausgefallene Architektur, hippe Cafés und moderne Hotels. Und ein Highlight: der Molecule Men, eine Dreifiguren-Skulptur von Jonathan Borofsky mitten in der Spree unweit der Oberbaumbrücke. Man kann sogar hindurchrudern. Doch aufgrund des Windes und teils fehlender Steuerkünste hat ein Boot den Durchgang knapp verfehlt.
Auf dem Rückweg wurde es zunehmend kühler. Wir passierten eine Schleuse und machten eine lang ersehnte Pause beim Ruderclub NARVA‑Oberspree (RC NO). Dort wurden wir von lauten afrikanischen Rhythmen einer Party überrascht, die hinter dem Club stattfand.
Weiter ging es vorbei an idyllischen kleinen Häuschen am Ufer. Wenig später folgte ein endlos langer Plattenbau – Wohnung an Wohnung gereiht –, der laut Erzählungen zu DDR‑Zeiten wegen der damals fortschrittlichen Bauweise durchaus beliebten Wohnraum bot. Am nächsten Halt zogen sich einige eine zusätzliche Kleidungsschicht über, während die Provianttonnen auf den letzten Kilometern weiter geleert wurden. Dann plötzlich ein lautes Jubeln einer Menschenmenge: Wir befanden uns auf Höhe des Stadions „An der Alten Försterei“, in dem gerade 1. FC Union Berlin gegen den FC Augsburg spielte (4:0). Überwältigt von diesem Moment ruderten wir auf der Dahme und Müggelspree über Köpenick wieder zurück zum Heimatclub Ägir.
Abends gingen wir in das griechische Restaurant Taverna in Friedrichshagen und zur Verdauung gab’s einen kleinen Spaziergang durch den graffitibesprühten Spreetunnel mit herrlichem Nachtblick über den Müggelsee.
4. Tag Ruhiger Sonntagsausflug nach Neu-Venedig (16 km)
Bei guter Laune und Sonnenschein ging’s zum Abschluss quer über den spiegelglatten Müggelsee und zurück zu den hübschen Kanälen von Neu-Venedig. Statt Straßen prägen Wasserwege das Bild, deshalb der Name Neu-Venedig. Dort hat es auch eine „Rialtobrücke“, keine prachtvolle Steinbrücke wie das berühmte Vorbild in Venedig, sondern eine schlichte Betonbrücke. Die Häuser an den Ufern sind so unterschiedlich gestaltet wie ihre Besitzer: kleine Wochenend-Datschas, die die DDR erahnen lassen, bis hin zu schicken Villen mit davor liegenden Yachten. Ab und zu tuckerte ein Motorboot oder ein Ausflugsschiffchen an uns vorbei. Auffallend war, dass es eine Schwimmleiter vor jedem Grundstück gab. Neu-Venedig ist ein Labyrinth aus Wasser, Wald und Gärten – alles m alerisch schön, wenn die Bäume sich im Wasser spiegeln. Wegen der kürzeren Tour war auch ein kurzer Boxenstopp im Rahnsdorfer Hafen möglich, um Fischbrötchen für das Mittagessen zu holen. Zurück am Steg waren wir um 12:15 Uhr. Die ausgeliehenen Holzboote wurden sauber gemacht und verstaut, bevor sich die gutgelaunte Gruppe verabschiedete – nach einer zwar kühlen, aber wunderschönen und rundum gelungenen Himmelfahrts-Wanderfahrt auf den Gewässern im Südosten Berlins.
Ein großer Dank geht an Christian und Senia (mit Helge) für die tolle Organisation!





























