Euro Masters 2026 in München – 1.000 Meter, viele neue Bekanntschaften und ziemlich teure Rollsitzplätze
Vom 23. bis 26. Juli 2026 fanden auf der traditionsreichen Olympia-Regattastrecke in München die Euro Masters statt. Mit dabei war in diesem Jahr auch ich, Susann Halliger, und vor allem eine ziemlich bunte Ruderreisegruppe.
Gemeinsam mit dem Marbacher Frauenachter und Ruderinnen und Ruderern aus Heidelberg, Berlin, Konstanz, Mannheim, Kettwig, Kassel, Lübeck und Mainz ging es in den unterschiedlichsten Kombinationen über die 1.000-Meter-Strecke.
Und genau das ist für mich das Schöne am Mastersrudern: Man springt in den wildesten Kombinationen gemeinsam ins Boot, lernt ständig neue Leute kennen und irgendwie funktioniert es am Ende meistens erstaunlich gut. Alle helfen sich gegenseitig und mit zunehmendem Alter scheint auch eine gewisse Altersmilde einzusetzen. Zumindest an Land.
Nach 19 Jahren zurück im Einer
Ein kleines persönliches Highlight gab es für mich ebenfalls: Nach 19 Jahren bin ich erstmals wieder im Einer über 1.000 Meter an den Start gegangen.
Sportlich habe ich mich in meinen Rennen zuverlässig irgendwo im Mittelfeld einsortiert. Denn eine Sache musste ich schnell feststellen: Altersmilde bedeutet beim Mastersrudern keineswegs, dass es auf dem Wasser gemütlich zugeht. Die Konkurrenz ist nach wie vor verdammt fit und um die ersten Plätze wird mit ordentlich Ehrgeiz gekämpft.
Aber immerhin konnte ich so die komplette Strecke genießen – und bei den Startgebühren sollte man das vielleicht auch tun.
36 Euro für knapp vier Minuten Vergnügen
Denn neben all den schönen Seiten des Mastersruderns gibt es leider auch einen weniger erfreulichen Punkt: die Kosten. Mit 36 Euro Startgebühr pro Rollsitz und Rennen möchte man die knapp vier Minuten Rennzeit schließlich möglichst intensiv auskosten.
Immerhin bekommt man dafür eine wirklich besondere Kulisse geboten: das auffällig türkisfarbene Wasser der ehemaligen Olympia-Regattastrecke von 1972.
Der Anlage selbst sieht man ihre inzwischen mehr als 50 Jahre allerdings deutlich an. An vielen Stellen besteht erheblicher Investitionsbedarf. Besonders sichtbar wird das beispielsweise an der großen Tribüne, die nicht regulär genutzt werden kann beziehungsweise nur auf eigene Gefahr betreten werden darf. Für eine Anlage mit dieser sporthistorischen Bedeutung ist das wirklich schade.
Für zusätzlichen Diskussionsstoff sorgte in diesem Jahr außerdem das neue Lizenzmodell. Wer bei den großen Masters-Veranstaltungen starten möchte, benötigt inzwischen zusätzlich ein kostenpflichtiges Jahresabonnement. Mindestens 15 Euro pro Jahr kommen damit noch einmal obendrauf. Zusammen mit den ohnehin hohen Meldegeldern hinterlässt das durchaus einen bitteren Beigeschmack. Hier entsteht leider zunehmend das Gefühl, dass die finanziellen Hürden für die Teilnahme immer höher werden.
Das Beste: die Menschen
All das konnte den Spaß an diesem Wochenende aber nicht verderben. Denn das eigentlich Wertvolle an solchen Veranstaltungen findet ohnehin zwischen den Rennen statt.
Wir konnten unser Rudernetzwerk noch einmal deutlich erweitern und haben viele Ruderinnen und Ruderer aus der ganzen Republik kennengelernt oder wiedergetroffen. Genau diese unkomplizierte Gemeinschaft macht für mich einen großen Teil des Mastersruderns aus.
Trotz der enormen Hitze am Freitag und Samstag hatte ich unglaublich viel Spaß – auf dem Wasser genauso wie daneben.
Ein ganz besonderer Dank geht an den Volkstümlichen Wassersportverein Mannheim, der die Logistik und den Transport der Boote übernommen hat. Das war in diesem Jahr alles andere als selbstverständlich, denn durch die parallel stattfindenden Landesmeisterschaften in Breisach waren die Bootsanhänger in Baden-Württemberg heiß begehrt.
Vielen Dank für die tolle Kooperation, eure Unterstützung und euren Einsatz!
Nach den Masters ist vor den Masters
Und lange Pause gibt es sowieso nicht: Der Saisonhöhepunkt wartet bereits.
Anfang September geht es zu den World Rowing Masters Regatta 2026 nach Bled in Slowenien. Neue Mannschaften, neue Kombinationen, viele bekannte Gesichter – und vermutlich wieder die Erkenntnis, dass „Masters“ keineswegs bedeutet, dass es auf dem Wasser gemütlicher wird.
Ich werde berichten!




