Drei Boote, drei Geschichten und ein Ziel: Nix wie Rhein ins Boot und zur EUREGA

Erstellt von Carla Schweizer, Svenja Knauf, Elinor Riegger und Matthias Auer||Regatta

Dieses Jahr stand die Anreise ganz im Zeichen des Teamfeelings … also theoretisch zumindest.

Die Mannschaften:

  • Die Cannstatt Keeekse – 100 km Teamgeist, Wasserlage und Weltreisen
  • Die In4liden – 45 km ambitionierter Versehrtensport mit langjährigen Freunden
  • Die Rheinsteigerinnen – 45 km neue Erfahrungen

Anreise mit Hindernissen – und drei Boote voller Vorfreude

Jochen hatte bereits vor dem Start seine persönliche Langstrecke absolviert: Mainz–St. Goar mit der Deutschen Bahn. Die DB blieb ihrem Ruf treu und ließ ihn zuverlässig im Stich, sodass er erst am Abend nach dem traditionellen Nudelessen am Startort der Langstrecke eintraf. Svenja hingegen war nicht mit der Bahn auf Weltreise, sondern auf Deutschlandtour – Urlaub deluxe, Ziel ebenfalls St. Goar.

Zwischen Klebeband, Curry und Nudelessen

Damit lag die Verantwortung für das Präparieren des Langstreckenboots bei Christian, Jörn und Marc. Und rückblickend kann man sagen: Zum Glück! Denn wie sich später zeigen sollte, hatten die drei offenbar nicht nur ein Ruderboot, sondern direkt ein halbwegs seetaugliches U-Boot vorbereitet.

Für alle anderen ging es noch ein Stück rheinabwärts nach Neuwied. Matthias hatte alle Hände voll zu tun, die vielen Fragen von Susann, Elinor, Steffi und Carla zu beantworten, während gemeinsam die Boote wasserfest gemacht wurden. Zur zusätzlichen Verwirrung wurde das grüne Klebeband natürlich auf die Backbordseite geklebt. Gut, dass die Rheinsteigerinnen einen erfahrenen Steuermann engagiert hatten.

Der Abend der Rheinsteigerinnen endete mit leckerem Eis an der Strandpromenade und selbst gekochtem Curry, während mit Marion, Henning und Matthias drei In4liden nach Vollendung der Bootspräparation noch das Gespann nach Bonn transferierten und dort mit In4lide No. 4 Hannah zum Pastaessen und Übernachten bei der Bonner Steuerfrau Eva zusammentrafen.

Rheinaufwärts ging es in St. Goar nach dem legendären Nudelessen inklusive Obmannsbesprechung früh ins Bett – schließlich wartete am nächsten Morgen schon die erste Etappe: zum eigentlichen Start auf die andere Rheinseite rudern.

Kaltstart, Zwiebellook und die ersten Ruderschläge

Das Frühstück kam den Langschläfern Jochen und Svenja definitiv zu früh. Immerhin blieb danach noch genug Zeit, entspannt anderen Mannschaften beim hektischen Boote-zu-Wasser-lassen zuzuschauen. Wie immer waren die Cannstatt Keeekse viel zu früh am Start … und wie immer wurde es am Ende trotzdem hektisch. Morgens war es nämlich noch eisig kalt, obwohl für später am Tag sommerliche Temperaturen angekündigt waren. Also hieß es: Jacke an, Weste aus, zweites Shirt an und wieder aus – olympisches Zwiebellook-Finale.

Als das Vorletzte von insgesamt 19 Booten zu starten, machte die Cannstatt Keeekse schon ein bisschen stolz – schließlich starten traditionell die langsameren Boote zuerst. Die ersten Ruderschläge fühlten sich noch zäh an. Die Knochen mussten nach dem Festfrieren beim Warten erst wieder auftauen. Ganz bestimmt war das der Grund, warum uns die Elite um Markus Müller und Michi Ehrle bereits nach den ersten 500 Metern überholte … natürlich nur deshalb.

Während die Cannstatt Keeekse ihre kalten Knochen schon warm ruderten, starteten die Rheinsteigerinnen mit einem gemütlichen Frühstück in den Tag. Anschließend teilten sie sich für die letzten Vorbereitungen auf: Elinor und Carla kümmerten sich um das Boot, befestigten die Pumpe – in der Hoffnung, sie am Ende nicht zu brauchen – und erledigten die letzten Handgriffe. Susann übernahm als Obfrau die Verantwortung und wurde eingewiesen, während Steffi den extra von Susann aus Bonn engagierten Steuermann Hans in Empfang nahm. Ein Blind Date der anderen Art.

Matthias und seine Crew gingen den Renntag unterdessen ganz entspannt von Bonn aus an, nahmen einen (pünktlichen – Danke DB!) Zug später als naheliegend gewesen wäre und trudelten trotzdem noch rechtzeitig zu Obleutebesprechung ein – alte Marathonprofis eben.

Wenn aus dem Ruderboot kurz ein U-Boot wird

Während in Neuwied noch gedehnt wurde, etliche Toilettenbesuche stattfanden und die Nervosität stieg, lief es flussaufwärts richtig gut! Trotz weniger gemeinsamer Ausfahrten konnten die Cannstatt Keeekse bereits auf den ersten 10 km einige Gegner einsammeln. Der Rhein zeigte sich gnädig, der erste Steuermannswechsel verlief schnell und problemlos – bis Svenja ans Steuer kam.

Furchtlos steuerte sie das Boot durchs kabbelige Wasser und immer dichter werdenden Frachterverkehr. Vielleicht etwas zu furchtlos. Nach nur 15 km gab es plötzlich ordentliche Sprünge über die Wellen. Das Wasser schlug meterhoch über den Bug.

„PUMPE AN! SCHNELL!“, brüllte Jörn aus dem Bug – unser tapferes Gallionsfigürchen zu diesem Zeitpunkt. Nach der dritten Monsterwelle war das Boot mehr als halb voll Wasser. Doch Christian reagierte blitzschnell auf dem Schlagplatz und öffnete gekonnt beide Lenzklappen. Wenig später ruderten die Keeekse wieder AUF dem Wasser statt darunter.

Von dem Trubel im Langstreckenboot bekamen die Rheinsteigerinnen nichts mit und lieferten sich auf den ersten 20 km ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit den späteren Siegerinnen. Die erfahrenen Müwa Mädels mussten ihre Stärke im Umgang mit den Wellen ausspielen und wechselten zudem noch Steuerfrau Lucia, die eigentlich erst im späteren Rennverlauf rudern wollte, schon früher als geplant in den Maschinenraum, um die Rheinsteigerinnen schließlich zu überholen.

Der Anfeuerungsruf der Müwa-leer Steuerfrau: „Wer hat die schöneren Beine?“ blieb unbeantwortet.

Vielleicht das Boot der Cannstatt Keeekse? Immerhin: Der nächste Steuermannswechsel ging rekordverdächtig schnell und direkt danach konnten die nächsten drei Boote überholt werden. Seltsamerweise blieb der Rhein anschließend für rund 60 km ziemlich friedlich. Christian meisterte später sogar eine riesige Frachterwelle mit absoluter Bravour – da rollte wirklich eine Wand auf das Boot zu.

Hitze, Endspurt und Rhein in Flammen

Zum Ende wurde es dann richtig warm … fast zu warm. Aber keine Sorge: Svenja übernahm erneut das Steuer und sorgte zuverlässig für Abkühlung. Kaum war sie dran, tauchte plötzlich wieder massenhaft Schiffsverkehr auf. Eine Wellenfront nach der nächsten krachte auf uns zu – und natürlich auch INS Boot. Sehr erfrischend! Aber mit Jochen als Coach konnte Schlimmeres verhindert werden.

Eine Abkühlung hätten sich die Rheinsteigerinnen ebenfalls gewünscht. Nach dem Überholmanöver wurde es zäh und die Sonne machte ihnen zunehmend zu schaffen. Hans, unser Steuermann, motivierte die Mannschaft unermüdlich weiter und grüßte jedes vorbeifahrende Schiff, als würde er wirklich jeden auf dem Rhein kennen.

Wie von Susann vorhergesagt, wurden die Rheinsteigerinnen auf den letzten Kilometern von Matthias’ Boot überholt. Die In4liden hatten sich nach dem Einsammeln etlicher Kurzstreckenboote an das weit vorneweg fahrende Boot der langen Strecke herangesaugt und fuhren, in deren Schlepptau, ca. 6 km vor dem Ziel auch noch an den Kolleginnen aus dem Ländle vorbei. Dank ihrer starken Schlagfrau Steffi fanden die Rheinsteigerinnen am Ende aber wieder zusammen und mobilisierten noch einmal die letzten Kräfte. Nach einem starken Endspurt legten sie ausgelaugt, aber zufrieden am Steg des Bonner Rudervereins an.

Keine Viertelstunde später kamen auch die StCRC-Lang(e)streckler der Cannstatt Keeekse nach einer starken Schlussetappe mit Marc auf dem Schlagplatz ins Ziel.

Nach dem Abriggern fand der Abend bei viel Pommes frites sowie dem einen oder anderen Kaltgetränk, einer Siegerehrung mit Gewitterguss und diversen Feuerwerken von „Rhein in Flammen“ einen gelungenen Ausklang.

Danke euch für dieses legendäre, leicht überflutete und absolut großartige Abenteuer! 

Ein besonderer Dank der Rheinsteigerinnen geht an Susann, für ihr Engagement und ihr herausragendes Trainingsprogramm, welches es uns überhaupt ermöglicht hat, mitzufahren. Außerdem an Michael, der uns mit viel Gelassenheit, Motivation und Steuergeschick bei der Vorbereitung unterstützt hat.

Rennergebnisse der StCRC-Mannschaften:

  • Team „Cannstatt Keeekse“: 3. Platz offene Männerklasse und 3. Platz gesamt (von 19 Booten) in 5:42:59h.
  • Team „In4liden“: 1. Platz Offene Mixedklasse und Gesamtsieg (von 56 Booten) in 2:24:51h.
  • Team „Rheinsteigerinnen“: 4. Platz Offen Frauenklasse und 21. Platz gesamt in 2:39:41h.