U23 Weltmeisterschaften in Plovdiv, 19.-23.07.2017

Janika schnuppert internationale Luft

Im dritten U23-Jahr hat Janika den Sprung in den Nationalkader geschafft. Eine tolle Leistung, die sie sich hart erkämpft hat. Dabei sah es zu Anfang des Jahres noch nicht danach aus.

Im Dezember letzten Jahres hatte sie in Dortmund eine gute Figur abgegeben. Doch dann der Rückschlag. Wer sie kennt weiß: sie ist eine Schafferin. „Überteib´ es nicht“, hatte man ihr immer wieder gesagt. Doch der bekennende Dickkopf blieb beratungsresistent. Die anderen schlafen nicht. Lieber ein bisschen zu viel als nicht genug. Und so kam es wie es kommen musste. Übertraining und Leistungseinbruch. Zwei Monate hatte sie zu kämpfen, musste auch noch krankheitsbedingten Trainingsausfall kompensieren.

Beim Langstreckentest in Leipzig konnte sie die Ergonorm um 4 Sekunden unterbieten. „Das war das Ziel. Aber mehr war auch nicht drin“. In Essen ein 2. Platz und dann in Hamburg der Sieg im Doppelvierer. Es ging bergauf.

Bis zu den Jahrgangsmeisterschaften im Juni war der ganz große Wurf aber noch nicht gelungen. Und da waren noch die Erfahrungen aus den letzten beiden Jahren, als es immer auf der Kippe stand, gerade so nicht gereicht hatte. Fast sah es wieder so aus. Ein 4. Platz im Einer und ein sehr knapper 4. Platz im Doppelvierer schienen in München nicht genug.

Sie war schon auf dem Weg zurück an den Bodensee und zum Jurastudium als der Anruf kam. Trainer Steffen Jacob konnte froh verkunden, dass Janika für die WM nominiert war. „Ich habe mich riesig gefreut... bin gleich am nächsten Halt aus dem Bus gesprungen und in den Zug nach Stuttgart gestiegen.“

Viel Zeit blieb ihr nicht. Schon am nächsten Tag ging es auf ins Trainingslager. Während der Rest der 77-Köpfigen Mannschaft in Ratzeburg kampierte, folgte der leichte Doppelvierer, für den sie als Ersatzfrau nominiert war, dem Trainer nach Essen. Die Unterkunft dort war eher rustikal. „Wir haben im Trainerzimmer geschlafen und unser Essen auf einer Kochplatte auf dem Balkon zubereitet.“, erzählt sie lachend. Dafür gab es weniger Trubel und das Team hatte Zeit sich zu finden. „Die Ruhe hat uns echt gut getan“. Im Vierer ist sie in dieser Zeit wenig gefahren, denn Ausfälle gab es kaum. Bei zwei bis drei Trainingseinheiten pro Tag konnte sie vorwiegend an der Umstellung der eigenen Technik arbeiten. Denn kurz vor den Jahrgangsmeisterschaften hatte Trainer Steffen Jacob eine Idee. Eine radikal andere Einstellung von Innenhebel und Dollenabstand sollte für mehr Weg im Wasser sorgen. Anfangs skeptisch wurde die Überzeugung mit der Zeit immer größer. „Als ich mich daran gewöhnt hatte, musste ich mich plötzlich vorne gar nicht mehr so lang machen und kam viel besser ins Wasser.“

Für die letzten anderthalb Wochen vor der WM ging es zum Rest des Kaders in die Ruderakademie in Ratzeburg und am 16. Juli dann auf nach Bulgarien.

Den Auftakt bildete am 19.07. das Ersatzleuterennen. Nicht alle Nationen hatten gemeldet und so war das Feld für Janika relativ klein. Die neue Bootseinstellung und das viele Training machten sich bezahlt. In 8:02 min trieb sie ihren Einer „Good Hope“ – nach dem Kap der guten Hoffnung benannt – über die 2000 m. Die Zielzeiten sind stark von der Umgebung abhängig. Bei vergleichbaren Bedingungen hatte sie in Krefeld knapp 10s mehr gebraucht.

An der Ziellinie dann die Ernüchterung: „…da war mir mit einem Mal klar: für mich ist die WM jetzt vorbei.“ Für den Rest der Mannschaft ging es gerade erst los. Und wie: mit einem souveränen ersten Platz im Vorlauf gelang dem leichten Doppelvierer der Sprung ins Finale. Zwar wollte Janika so gern auch „bei 35° im Vierer sterben“, aber einen Ausfall hätte sie den liebgewonnenen Teamkameradinnen auch nicht gegönnt. Stattdessen suchte sie sich eine andere Beschäftigung. Traditionell organisieren die Ersatzleute eine Abschiedsfeier für die ganze Mannschaft. In diesem Jahr dachte man ein bisschen größer und organisierte kurzer Hand eine U23 Party für die gesamte WM im nahegelegenen Nachtclub. Die günstigen Preise und das gute „Marketing“ machten sich bezahlt. Die Zusagen über Facebook deuteten bereits auf einen vollen Club hin. Und so sollte es auch werden…

Aber zuerst musste die Mannschaft angefeuert werden. Ohne den kleinen Krebs wäre im Finale sicher mehr drin gewesen. Aber mit einer Bronzemedaille war der leichte Doppelvierer hochzufrieden. Die Bilanz: die U23 Frauen gewinnen insgesamt 3 Bronzemedaillen im leichten und schweren Doppelvierer sowie im Vierer ohne.

Für Janika war die Teilnahme an der WM eine wichtige und bereichernde Erfahrung. „Internationale Luft schnuppern“, zum einen. Zum anderen die große Lehre: weniger ist manchmal mehr. Denn im Trainingslager wurde klar, dass sie mit ihrem bisherigen Pensum keineswegs hinterher hinkt. Die negative Erfahrung aus dem letzten Winter kann sie damit hinter sich lassen und konzentriert nach vorne schauen.

Und wie geht es jetzt weiter? Mit Training natürlich. Denn die Saison ist noch lange nicht vorbei. „Jetzt muss ich noch zwei Klausuren schreiben und Mitte August geht es dann weiter nach Hamburg.“. Dort wird sie mit Stefanie Weigt - Ihrer Partnerin im Doppelzweier - für die Teilnahme an der U23 EM trainieren. Die wird vom 02. bis 03. September im polnischen Kruszwica abgehalten.

Wir wünschen Dir viel Erfolg, liebe Janika!