Tour du Lac Leman 2018

Gesamtsieg und ein fünfter Platz bei der Marathonregatta in Genf

Die beiden Cannstatter Boote konnten in Genf den Gesamtsieg und einen guten fünften Platz errudern. Was so lapidar in einem Satz erzählt ist, war ein enorm spannendes und in allen Belangen (Technik, Taktik und Wumms) hochklassiges Rennen.

Der Saisonhöhepunkt der Marathonruderer musste dieses Jahr auf einer Ersatzstrecke stattfinden. Die Originalstrecke, 160km einmal rund um den Genfer See, wurde Opfer einer Wettervorhersage, die auch eintraf. Starker Nordwind machte just am Regattatag am 29.9. den See unruderbar.

Die Veranstalter hatten schnell eine Ersatzstrecke organisiert. Wir durften 4 Runden auf einem 10 km langen Flussabschnitt rudern, in Summe also 80km. Rudern in der Dunkelheit sollte auf dieser Strecke vermieden werden, deshalb musste das Rennen verkürzt werden. Einige Teams testeten den Parcours auf der Rhone unterhalb der Stadt schon am Tag vor der Regatta aus.

Eine Besonderheit der kurvigen und landschaftlich schönen Strecke war, dass es auf den oberen 2 bis 3 km merkliche Strömung gibt. Die Ideallinie war bei der Proberunde schnell gefunden.  Stromauf ging es am schnellsten in den Innenkurven. Wie das am nächsten Tag mit 21 Booten ohne Kollision funktionieren sollte, blieb uns ein Rätsel.

Am Freitagabend vor der Regatta fand im Bootshaus der SNG am noch sehr ruhigen Genfer See der Empfang statt. In der Abendsonne ließen wir es uns bei edlen Häppchen gutgehen. Team Lötschet (Wortspiel für le Jet / Jet d’Eau) mit Matthias und Jochen vom StCRC und Team Give me five mit Ulf, Michael, Jörn, Heiko und Matthes ließen es sich gutgehen und sammelten Kräfte für die bevorstehende Regatta.

Das Rennen sollte mit einem Massenstart beginnen. Dazu wurden die Boote in Startreihen angeordnet. In der ersten Startreihe fanden sich die beiden Cannstatter Boote, dazwischen das mitfavorisierte Team „eNeRGetic“ aus Neuwied/Bonn. Beim Start konnten sich die Teams Lötschet und eNeRGetic direkt leicht absetzen und schenkten sich ruder- und steuertechnisch nichts beim Kampf um die erste Innenkurve. Unser Jet hatte leicht die Nase vorn, und dieser Vorsprung wurde bis zur ersten Wendeboje bis aufs Messer verteidigt. Auch bei der Wende selbst wurde mit allen Mitteln gekämpft, danach konnten wir uns erst knapp, dann aber stetig absetzen. Um die Führung nicht aus der Hand zu geben, verzögerten wir den ersten Wechsel analog zu unseren Hauptgegnern. Zu diesem Zeitpunkt waren die beiden führenden Boote dem Feld schon deutlich enteilt. Der Rhythmus und der Bootsdurchlauf waren top, und nach der ersten von 4 Runden kamen wir als erste am Start/Ziel vorbei.

Speziell an dieser Regatta war sicher, dass wir alle anderen Boote so häufig zu sehen bekamen. Von ganz nahem zum Glück auch nur ganz selten. Der Veranstalter hatte in den wichtigsten Kurven Bojen ausgelegt, die im Rechtsverkehr zu passieren waren. Auf den Runden 2 und 3 wurde mit viel Biss und Konzentration der Vorsprung auf zwischenzeitlich knapp 3 Minuten ausgebaut. Wer sich anhand dieses Abstands sicher fühlte, hatte die Rechnung ohne den Gegner gemacht. Was das Team Neuwied/Bonn auf den letzten 20 Kilometern ausgepackt hat, verdient höchsten Respekt. Mit den letzten Körnern hielten wir unseren Vorsprung und kamen nach 5:39 mit 33 Sekunden Vorsprung ins Ziel. Ganz so spannend hätte es nicht sein müssen, aber am Ende bleibt die Erinnerung an ein großartiges Rennen, das für uns in allen Belangen sehr gut gelaufen ist.