AllYouCanRow, 23.06.2018

Weiteste Distanz mit Cannstatter Beteiligung

Am längsten Samstag des Jahres hieß es „all you can row“. Bei dieser Marathon-„Regatta“ geht es darum, zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang so weit wie möglich von Karlsruhe aus den Rhein abwärts zu rudern. Die mit einigem Abstand größte Weite des Tages von insgesamt 27 Booten erzielte das Team „Rheinerprobt“ mit Jochen Betten vom StCRC.

Aber weit rudern ist nicht alles, was dieses Event ausmacht. Am Vorabend trifft man sich bei der Karlsruher Alemannia, um gemeinsam mit über 100 weiteren positiv Verrückten zu grillen und Ruderergarn auszutauschen. Die Boote stellt der Veranstalter; es waren nur Kleinigkeiten wie Abklebung, Innenhebel-Länge und Heckabdeckung vorzubereiten, ehe es zeitig in den Schlafsack ging.

4 Uhr Weckzeit sind nicht jedermanns Sache, und so gibt es schon vor dem ersten Ruderschlag gute Gründe, sich zu fragen, wieso man das mitmacht. Immerhin war es trocken und sonnig, als wir um 5:00 unser Boot zu Wasser ließen. Um 5:22 bei Sonnenaufgang ging es dann los. Im Hafen trafen wir Jörn Michel, der gemeinsam mit Ex-StCRC-Mitglied Marco Salm die Strecke im 3er mit Stm anging und letztendlich auf eine sehr gute Weite von 186 km kam.

Mit dem Einbiegen auf den Rhein wurde dann klar, was uns den Rest des langen Tages erwarten würde: Nordwind. Für die nicht so geografisch bewanderten: Das ist Gegenwind, wenn man Rhein-abwärts unterwegs ist. Da auch der Wasserstand deutlich niedriger war als im Luxusjahr 2016 (da durften wir auf der Hochwasserwelle reiten), war schnell klar, dass keine Rekorde purzeln werden. Bis Speyer war das Wasser meist ruhig, die Mannschaft fit, und kurz vor dem Speyerer Hafen hatten wir dann auch einen außer Konkurrenz startenden Fünfer eingeholt und damit alle vor uns gestarteten Boote passiert. Jetzt könnte man sagen, es ging nur noch gegen die Uhr. Aber erstens geht das Event bis Sonnenuntergang, egal wie schnell man rudert. Und zweitens hatten wir keine Uhr dabei. Unser Kompetenzzentrum für die Bootsausrüstung hatte sich beim Wandern das Knie verdreht, und so fuhren wir ohne GPS und ohne Uhr an Bord. Also wechselten wir munter alle 10km den Steuermann, damit jeder mal durch die immer fieser werdenden kurzen Wellen steuern durfte.

Den ersten kurzen Serviceanleger machten wir nach knapp 90 km am Steg in Worms. Und ab da wurde es wirklich gemein mit dem Gegenwind. Immerhin hatte der ganz schlimme Wind in Mainz ein Ende, und die Strömungs-arme Strecke zwischen Mainz und Bingen (für Kenner: der Rheingau) war weniger schlimm als befürchtet. In Geisenheim machten wir den zweiten geplanten Kurzanleger. Ab Bingen wird dann schlagartig die Strömung stärker. Wir hatten schon lange auf 7km-Wechselintervalle umgestellt, und so durchruderten wir auch den schönsten Teil des Rheintals zwischen Bingen und St Goar. Das Foto zeigt die schon ziemlich geräderte Mannschaft bei der Inselburg vor Kaub. Immerhin sind hier schon 191 km geschafft.

Genug Zeit zum Kopfrechnen war ja, und wir hatten schnell herausgefunden, dass wir es bis Neuwied schaffen könnten, wenn wir denn eine kleine Schippe drauflegen. Gesagt, getan, und ab Boppard war dann auch der fiese Wind weg. Ein Glück, dass wir nicht abgebrochen haben, denn so kamen wir die letzten 2 Stunden in den Genuss bester Bedingungen und erreichten mehr oder weniger triumphal nach 251 Ruderkilometern den Steg der Neuwieder RG. Dort erwartete uns das Sommerfest, auch wenn nicht jedem ganz doll nach Grillwürstchen und Bier war.

Um kurz nach 12 kam dann auch der Landdienst, um das inzwischen geputzte und abgeriggerte Boot aufzusammeln. Da Jörn von ebendiesem Landdienst in Bacharach abgeholt worden war, gab es ein fröhliches Wiedersehen.

Vielen Dank an die beste Mannschaft, die es für einen solchen Unfug gibt: Markus, Michi, Christian, Superspäteinspringreservekandidat Patrick.