StCRC-Nachwuchs beim Bundeswettbewerb in München

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Zwei StCRC-Boote hatten Anfang Juni bei der baden-württembergischen Qualifikations-Regatta Tickets für den Bundeswettbewerb (kurz: BW) der Kinder in München vom 28.06 bis 01.07 gebucht: Amrei Abendschein im Einer der leichtgewichtigen 14-Jährigen Mädchen und Lasse Heller und Max Nagel im „dicken“ Doppelzweier der 14-Jährigen. Tobi Gathmann ergriff nach guter Leistung aber gescheiterter Quali bei den 13-jährigen großen Jungs seine zweite Chance in Form des freien Platzes im leichten Einer am Schopfe und machte in den verbleibenden 3 Wochen kontrolliert und routiniert die knapp 2 Kilos runter. So erfüllte er sich doch noch seinen Traum vom Start bei der wichtigsten nationalen Regatta für U15-Sportler.  

Nach zielstrebigen Trainingseinheiten mit Arbeiten an den individuellen Baustellen erfolgte am Sonntag vor dem BW der Abschluss-Test zusammen mit den 4 qualifizierten Teams der Stuttgarter RG. Im Revier des Nachbar-Clubs wurden in Duellen ähnlich schneller Boote 1000m-Rennen gefahren, die Langstrecke im selben Modus wie in München (1250m-Wende-1750m) simuliert und nicht zuletzt auch Übungen des allgemeinathletischen Zusatzwettbewerbs trainiert und Kontakte geknüpft.

Am späten Donnerstag-Vormittag ging es bei strahlendem Sonnenschein endlich los. Zusätzlich zu den 6 StCRClern – die Sportler und die beiden Trainer Heiko Gulan und Matthias Auer – waren zwei Ruderer der Stuttgarter RG mit an Bord. Die Boote waren im Gegenzug mit dem RG-Hänger gen München unterwegs, gemeinsam mit Booten aus Neckarrems und Esslingen, gezogen von Stefan Schrade vom RV Esslingen. Die Kooperation, Kommunikation und Organisation der Vereine des Großraums Stuttgart lief vorzüglich. Nicht ganz so reibungslos lief der Stadtmobil-Bus – der spackte auf halber Strecke und forderte einen Motorservice. Den bekam er auch, fachkundig: Ausschalten, wieder Einschalten und es war wieder gut! :)

Je näher der Zielort kam, desto trüber wurde es. An der Regattastrecke Oberschleißheim angekommen war das Wetter wie versprochen: fies und nass, aber zumindest nicht wirklich kalt. Der Hänger war schon da, und nach dem Aufriggern ging es noch auf eine kurze 4km-Kennenlern-Runde für alle. Tobi und Amrei hatten um 18 Uhr noch ein Date mit der Waage. Für Amrei im XXL-Pulli und in Schuhen noch 5 kg unterm Limit eine sehr entspannte Sache, für Tobi nach der Vorgeschichte nicht ganz so. Zum Glück bestätigte die Wettkampfwaage die Heimwägung, und er unterbot die 50kg-Grenze schlussendlich doch locker.

Nach einem Abstecher mit stopover ALDI zur Übernachtungsstätte für die ca. 300 Vertreter aus BaWü, HH und Schleswig-Holstein, einer großen Mehrzweckhalle in Feldmoching, ging es zum Essenfassen: beim Ristorante der ersten Wahl erschreckten weißes Tischtuch und gediegenes Gedeck und luden zur Umkehr an der Türschwelle ein. Ein passenderes Ambiente für die Ruderer in Sportklamotten und adäquate Preise fand man schließlich in einem Pizza-Lieferdienst mit Sitzgelegenheit. Rechtzeitig ging es zurück zur Halle, wo es noch eine kurze Ansprache der Teamleitung und die Ausgabe der blauen LRVBW-Team-Shirts erfolgte. Dann war auch schon Schlafenszeit.

Nach leidlich gutem Schlaf und früher Unruhe in der Halle ging es am Freitag bei noch leicht trübem, aber trockenem Wetter schon früh am Morgen zur Regattastrecke: Tag 1 des BW = Langstreckentag.  Den Auftakt des Team StCRC-BW machten Lasse und Max. Die Combo hatte sich im Ostertrainingslager als gute BW-Option im 2x herausgebildet, sich über die Wochen kontinuierlich verbessert und schon einige ermutigende Regattaergebnisse vorzuweisen. Sie hatten leider die knackigste aller 5 Fünferabteilungen erwischt, so dass die ausgelobten Radaddeln für die ersten zwei jeder Abteilung von vornerein kein realisierbares Ziel sein konnte. Eine gute Zeit in der Gesamtwertung hingegen schon. Im Vergleich zur Quali-Regatta Esslingen und zur Testregatta bei der StRG packten die beiden ein/zwei Schippen drauf und waren nicht nur visuell besser sondern nach eigener Zeitnahme auch deutlich schneller unterwegs. Wie schnell und was die Zeit wert war wird aber traditionell erst am Abend bei und nach der Siegerehrung bekannt gegeben.  Dass die früher gestarteten Favoritenteams erwartet stark waren, war jedoch am Abstandsverlauf deutlich zu sehen.

Amreis Start erfolgte, als die beiden Jungs sich gerade auf die finalen 750m machten, was die Coaches aufm Radl (Heiko) und hinterm Camcorder (Matthias) dann doch etwas herausforderte. Auch für Amrei verhieß das Meldeergebnis mit zwei Ruderinnen in ihrer Fünfer-Abteilung mit beeindruckenden Vorleistungen für die freitägliche Radaddel-Vergabe nichts Gutes. Unbeirrt davon fuhr Amrei gut los, war mit ihrer Wende nicht 100%ig zufrieden und hatte auf der zweiten Hälfte etwas Schwierigkeiten, die Schlagzahl hoch zu halten. Die 2 Favoritinnen waren ohne Frage eine ganze Ecke schneller unterwegs, wobei die spätere Siegerin auf den letzten 500m schwer zu kämpfen hatte und übel einging. Eine Abteilungskollegin konnte Amreis Tempo nicht mitgehen eine weiter ruderte jedoch auf Augenhöhe.

Sehr viel später am Tage war Tobi dran. Im Boot seiner Tante – einem gelbfarbenen älteren Datums – ging er das Projekt zielstrebig und hochmotiviert an und sammelte unterwegs gleich 2 der im Minutenabstand startenden Ruderer ein, einer davon allerdings der früheren Abteilung angehörig. Auch Tobi hatte den Favorit auf den Gesamt-Regattasieg in der Abteilung. Die restlichen Abteilungsmitglieder schien Tobi aber im Griff gehabt zu haben und die Hoffnung auf einen Platz auf dem zweistöckigen Siegerpodest war nach einer sehr guten Ruderleistung durchaus berechtigt.

Abends  kam es dann wie erhofft – Tobi wurde als Zweiter seiner Abteilung aufgerufen und durfte von Doppel-Olympiasieger Lauritz Schoof seine Silbermedaille in Empfang nehmen. Noch weitaus erfreulicher war dann aber die im Vorfeld niemals erwartete Teilnahme im A-Finale der schnellsten 6 Langstreckler bei der Bundesregatta am Sonntag, und das mit der drittbesten Zeit (14:05min) der 25 Starter! Lasse und Max kamen auf Platz 4 in ihrer Hammer-Abteilung mit 3 A-Final-Teilnehmern und wurden insgesamt Elfte von 25 in 12:42 min. Die B-Final-Teilnahme war in dieser traditionell sehr stark besetzten Klasse ebenfalls oberhalb der Erwartungen. Für Amrei kam ein mit 4 Sekunden Vorsprung hart erkämpfter 3. Abteilungsplatz hinter den 2 Gesamtschnellsten heraus. Insgesamt ein schöner Platz 14 von 21 und der Einzug ins sonntägliche C-Finale für die Anfängerin des vorigen Herbstes und vermutlich leichteste Teilnehmerin ihrer Klasse. Ein toller erster Tag fürs Cannstatter Team!

Am Tag 2 ist der Zusatzwettbewerb mit mehr oder weniger sinnvollen allgemeinsportlichen Übungen in Länderriegen à 10 (+/-1) Personen zu absolvieren. Bei der Zuteilung in die Riegen gemäß dem Alphabet kann man Glück oder weniger Glück haben – und manchmal kommt auch noch Pech dazu. Glück hatte Amrei mit einer echt motivierten und geschickten Truppe, weniger Glück hatte Tobi, die Pechvögel des Team-StCRC waren Lasse und Max mit vielen schlecht vorbereiteten und/oder weniger engagierten Teammitgliedern. Amreis Team rockte ordentlich und gewann als einziges Baden-Württemberger Team seine Sechser-Abteilung, gleichbedeutend mit einer Medaille bei der abendlichen Siegerehrung. Für Tobis Riege sprang ein noch akzeptabler Platz 4 heraus, Lasses und Max´ Riegen rundeten die Abteilungsfelder ab.

Traditionell wird am Samstag-Nachmittag zwischen Zusatzwettbewerb und Siegerehrung noch der eigentliche Höhepunkt der Veranstaltung ausgetragen, die Betreuer-Sprint-Rennen in gesteuerten Doppelvierern! Kleines Handicap hierbei: es wird in den Kinderbooten mit Kinderskulls gestartet und Schrauben am Ausleger ist verboten oder zumindest verpönt. Heiko und Matthias waren als Team BaWü2 bei dem Spaß dabei, in Rgm mit den Coaches Adrian Elter aus Karlsruhe und Daniel Zuranski aus Mannheim sowie Tobi an den Seilen. Das Nürtinger Boot „Das Boot“ bot mit 3 Schnellverstellclipsen glücklicherweise ausreichend Dollenhöhe. Heikos 50er Flossen in 47er Schuhen unterzubringen war eine größere Herausforderung. Und die Tatsache, dass alle erwachsenen Ruderer das Stemmbrett weiter in den Bug rücken mussten sorgte für allgemeine Verwunderung bzw. Belustigung. Eine spontane Umdisponierung des Rennplans sorgte für ein unerwartetes Duell zwischen den Teams BaWü2 und BaWü1, besetzt mit hochmotivierten aktuellen und ehemaligen jungen Kaderathleten ausm Ländle. Die jüngeren Kollegen fischten während des Rennens noch mehr Krustengetier aus 350m Regattastrecke als Team BaWü2 mit deren zwei. Mit den letzten Schlägen wurde nach etwas verkorksten ersten 100m noch ein sehr knapper Sieg eingefahren und man konnte nach dem wilden Umblicken während des Rennens – „Augen ins Boot“ ist für Kinder – die Nackenmuskulatur wieder etwas entspannen und sich feiern. Als netter Nebeneffekt war das Gewässer bereits nach dem ersten Rennen quasi Krebs-frei. Wenn Profis arbeiten… ;-)

Der Samstag-Abend nach der Siegerehrung war noch jung. In Ermangelung eines offiziellen LRVBW-Rahmenprogramms taten sich die die Karlsruher, Esslinger und Cannstatter zusammen und brachen 20 Personen stark gen Innenstadt auf. Die Gruppen-Tour durch den Englischen Garten mit Besuch eines traditionellen Biergartens brachte allen Spaß und unterstrich den Team-Gedanken der Veranstaltung. Ein Besuch bei der berühmten stehenden Welle mit ordentlichem Surfer-Betrieb schloss den Ausflug ab. Noch rechtzeitig vor der Nachtruhe um 22 Uhr trudelte die Gruppe in der Halle zur letzten Nächtigung vor dem großen Abschlussevent, der Bundesregatta über 1000m, ein.

Früh um 6 Uhr traf man am Sonntagmorgen auf der Regattastrecke fürs „final hooray“ der Veranstaltung ein. Der Frühstückshunger war einmal mehr bei den Trainern deutlich stärker ausgeprägt als bei den AthletInnen. Nicht nur die Wichtigkeit des Events an sich sorgte für etwas Bauchweh sondern auch der auffrischende schräge Gegenwind – für den wenig erfahrenen StCRC-Nachwuchs durchaus eine zusätzliche Herausforderung.

Die Bundesregatta folgt dem Motto „die Letzten werden die Ersten sein“, soll heißen, die spätesten Klassen der Langstrecke dürfen/müssen am Sonntag als erste aufs Wasser. Für Tobis A-Finale bedeutete dies eine Startzeit um 8:16 Uhr, während die 2 weiteren StCRC-Boote noch Galgenfrist bis zur Mittagszeit hatten.

Nach langer Verzögerung infolge von Problemen mit der Startanlage und einigen Kenterungen erwies sich der Wind für Tobi auf einer der weniger windgeschützten tribünenabgewandten Bahn – die hatten die StCRCler leider allesamt gebucht –  in Kombination mit dem ungewohnten Albano-System als der erwartet starke zusätzliche Gegner. Ständiges Steuern und Überziehen ließ nicht das ganz große Rudervergnügen aufkommen. Tobi konnte nach einem schwierigen ersten Drittel von Beginn an nicht in den Kampf um die ersten 3 Plätze eingreifen und beendete die 1000m schließlich auf Platz 5. Ein klasse Ergebnis, generell und angesichts der Vorgeschichte noch umso mehr!

Fliegengewicht Amrei musste bei diesen für sie besonders harten Bedingungen nur eine Ruderin ziehen lassen und hielt über lange Strecke den zweiten Platz. Im letzten Viertel schob sich eine Konkurrentin mit langen Schlägen heran, lag 50m vor dem Ziel gleichauf und hatte das Momentum eigentlich für sich. Mit einem beherzten Endspurt mit hoher Schlagzahl konnte Amrei das Rennen noch mal umbiegen und den zweiten Platz einfahren. Das Anlegen am 50m langen und für Amrei eindeutig zu hohen Siegersteg der Olympiastrecke von 1972 mit nachfolgender Ehrung war sicherlich ein besonderes Erlebnis für die kleine Ruderin mit dem großen Kämpferherz.

Ähnlich wie bei Tobi sollten Lasses und Max´ Geduld und Nerven vor dem wichtigsten Rennen ihrer noch jungen Ruderkarriere ebenfalls auf einen härtere Probe gestellt werden. Beim Crash eines Bootes ihres Laufs beim Warmfahren war ein Skull gebrochen, und bis die Kollegen wieder ausgestattet und startbereit waren, zog viel Zeit ins Land, wurden die Finals C bis E und das Finale A des folgenden Rennblocks vorgezogen. Als es endlich los ging hatten die schweren Jungs zwar gewichtige Argumente gegen den Wind, aber dieselben Steuerprobleme wie Tobi, kamen schon schräg raus und kämpften gleich mit Bojenkette und schwer zu haltender Linie. Die zweite Streckenhälfte verlief besser und, als letztes Boot ins B-Finale eingezogen, konnten die beiden immerhin ein Boot hinter sich lassen und Platz 4 belegen. Klasse!

Letzter Programmpunkt war noch die Bekanntgabe der Länderwertung, die nach langer Zeit der NRW-Dominanz in diesem Jahr Sachsen-Anhalt gewinnen konnte. Team BaWü stellte 8 A-Finalisten und 2 Bundessieger und landete in der Gesamtwertung über 3 Tage mit minimalem Rückstand auf Hessen auf einem guten 9. Rang und damit besser als in den vorigen Jahren. Wesentlich mehr ist im Vergleich zu den Bundesländern, in denen der Rudersport einen deutlich höheren Stellenwert hat und in denen Rudern z.T. auf dem Stundenplan steht, leider auch kaum drin. Die StCRC-Ergebnisse waren am oberen Rand des Erwartbaren bzw. darüber. Die Platzierungen 3, 11 und 14 auf der Langstrecke und 5, 10 und 13 bei Bundesregatta waren top, zudem waren 3 Medaillen im Gepäck. Insgesamt ein schöner und viel versprechender Saisonhöhepunkt, der Lust auf Mehr mit dieser Gruppe und denjenigen, die zuhause in den Startlöchern sitzen und durch das starke Auftreten hoffentlich motiviert werden, macht! Am vorletzten Juli-Wochenende bietet sich bei Landesentscheid und Sommertalentiade in Breisach hierfür die nächste Chance.