Berlin Wanderfahrt

Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!

Das Fronleichnams-Wochenende verbrachten 15 StCRC’ler rudernd in Berlin. Um den Bootstransport zu sparen und den Planeten zu schonen, fuhren wir mit der Bahn und liehen die Boote vor Ort aus. In Berlin-Friedrichshagen konnten wir auch im Ruderverein wohnen. Es gibt Gästezimmer, eine Küche und eine großartige Kastanie, unter der wir prima frühstücken konnten.

Am Mittwochabend traf der Großteil der Gruppe ein, und am Donnerstag (in Berlin ist Fronleichnam kein Feiertag) fuhren wir in teils sehr rustikalem Bootsmaterial raus auf den gefürchteten Müggelsee. Der war aber gar nicht so schlimm, und Motorboote waren auch kaum unterwegs unter der Woche. Einmal überquert, tut sich ein großes und vielseitiges Ruderrevier auf. Wir entschieden uns für die Tour durch die Schleuse nach Rüdersdorf und weiter in den Stienitzsee, wo eine Badepause geplant war. Das Strandbad kostete Eintritt, aber der Chef dort war sehr hilfsbereit und erklärte uns, wo am gegenüberliegenden Ufer wir kostenfrei anlegen und Baden konnten. Gesagt getan! Das Wasser war sauber und wohltemperiert, und derart erfrischt fuhren wir durch den schönen naturnahen Kanal zurück zur Schleuse. Dort gab es die einzigen Regentropfen der Tour und einen dicken Kahn in der Schleuse. Also testeten wir erfolgreich den dort vorgehaltenen Bootswagen und fuhren unsere drei Dickschiffe über die Straße und um die Schleuse rum. Das Gewitter verzog sich, und wir konnten die Heimfahrt nach Friedrichshagen antreten, wo wir Fritz Rentschler trafen.

Am Freitag besichtigten wir zuerst die BBG Werft, die nur wenige 100 Meter vom Friedrichshagener RV liegt. Wir bewunderten Boote in unterschiedlichen Fertigstellungsstadien und konnten die „Cockpit“-Bauweise der Gigboote begutachten. Für Trainingseiner und Breitensport-Rennboote bleibt die BBG eine gute Adresse, bei Gigbooten möchten wir erstmal nicht umsteigen.

Danach wagten wir uns an die „Müggelberge-Umfahrt“. Die für uns verwöhnten Concept2-Ruderer ungewohnt schweren Holzlöffel ließen wir zurück und nutzten stattdessen schön leichte Skulls – gut für uns, aber es sollte sich noch herausstellen, dass die Position unserer Gastgeber zu dem Thema nicht einheitlich war…

Jenseits des Müggelsees wartete zunächst „Neu-Venedig“ auf uns, ein Viertel mit mehreren ringförmigen schmalen Kanälen, einigen Verbindungsstücken und vielen Kreuzungen, das es uns ermöglichte, durch die Vorgärten fremder Menschen zu rudern und an den Steuerkünsten zu feilen. Ein Riesenspaß. Die GPS Track Auswertung zeigte, dass das scheinbar planlose hin und her uns tatsächlich auf fast jedes Kanalstück der Siedlung geführt hatte. „Hey, hier waren wir doch schon! Ja, aber aus der anderen Richtung.“. Danach ruderten wir über den Gosener Kanal und den Seddinsee auf die Dahme. Nach einer gastfreundlichen Mittagspause bei einem Kanuclub ruderten wir an der Grünauer Regattastrecke entlang. Beim Baden vom Boot aus ging leider eine Brille verloren, erfrischend wars trotzdem. Nachdem wir an Köpenick vorbei gerudert waren, kamen wir von aus der entgegengesetzten Richtung wieder am Steg an. Unsere Tagesgäste Fritz und Anita fanden die Tour klasse, wir anderen natürlich auch. Abends wurde unter der grandiosen Kastanie gegessen.

Am Samstag wollten wir uns an die Löcknitz wagen, einen teils sehr naturbelassenen Fluss im Südosten Berlins. Bei Windstärke 3 bis 4 war der Müggelsee aber nicht so friedlich. Da es sich um Mitwind handelte, wuchsen die Wellen bedenklich an, so dass wir uns bald reumütig in den Schutz des Ufers verkrochen, um nicht mitten auf dem immerhin gut 3km breitem See ein Bad nehmen zu müssen. In Rahnsdorf wurde fleißig geschöpft, danach lief alles prima. Die alte Löcknitz war ein kleines Abenteuer, aber die vielen 90 Grad Kehren für 11 Steden erfahrene Steuerleute auch ein großer Spaß. Wir fuhren bis auf den Werlsee, wo wir einen 1A Anleger fanden, wo es Badepause, Eis und Kaltgetränke vom Netto und viel gute Laune gab. Auf dem Rückweg wurde die alte alte Löcknitz von einem Boot ausgetestet, aber nach 300 Metern für zwar sehr lustig, aber nicht wirklich ruderbar befunden. 5 Meter Flussbreite und jede Menge Baumhindernisse machten das ganze mühsam. Auf der alten Löcknitz stieg Julia ins Steuergeschehen ein, so dass wir uns bereit für ein gewagtes Überholmanöver fühlten. Das endete dann aufgrund zu hoher Kurvengeschwindigkeit in einem passgenauen Anleger genau zwischen zwei Yachten. Die Partygäste auf dem Grundstück staunten ein wenig. Der Müggelsee war deutlich freundlicher als auf dem Hinweg, und so konnten wir schon bald wieder anlegen und den letzten gemeinsamen Abend beim Inder ausklingen lassen.

Am Sonntag gab es noch eine kurze Ausfahrt Richtung Innenstadt. Die Durchfahrt durch die Innenstadt ist seit gut 10 Jahren für Ruderer und Kanuten gesperrt. Schade, aber es gibt auch so genug zu entdecken auf Berliner Gewässern.

Die Rückreise war dann ein echtes Gruppenreise-Erlebnis im Flixtrain. Ein Fahrgefühl wie zu besten Interregio-Zeiten, ein sehr behelfsmäßiger Bord-Kiosk und jede Menge Spiele ließen die Zeit schnell vergehen. Und zuhause musste nichts aufgeriggert und geputzt werden. Dieses Fahrtenmodell werden wir wiederholen! Vielen Dank an eine tolle Gruppe: Anita, Anja, Anne, Bianca, Christian, Christiane, Fritz, Heike, Jochen, Jörn, Jürgen, Julia, Leona, Michael, Sabine, Stefan, Veronika.