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Rheinmarathon 2026 – auf der Suche nach Wasser, Strömung und fehlenden Sekunden

Erstellt von Matthias Auer | | Regatta

Hoch im Kurs wie noch nie stand bei den Freunden und Freundinnen des Langstreckenruderns der Rheinmarathon 2026. Schon 2 Monate vor dem eigentlichen Meldeschluss in der vorletzten Septemberwoche wurden wir dankenswerterweise vom Veranstalter dezent darauf hingewiesen, dass sich in diesem Jahr die Meldeliste sehr rasch gefüllt hatte und man sich ranhalten solle, um noch einen der begehrten, limitierten Startplätze zu ergattern. Obwohl die Teams im Groben schon feststanden, so musste für die schnell getätigten Online-Meldungen doch der eine oder andere Dummy herhalten, um alle Bootsplätze zu besetzen und die Startplätze zu sichern. Ein paar Tage und Gespräche später konnten die Meldungen dann vollends finalisiert werden.

Die folgenden 4 StCRC-Mannschaften stellten sich der Herausforderung:

  • Ein MDA55-Mixed-Team mit Barbara, Peter, Matthias S., Beate und Steuermann Jürgen, die schon im letzten Jahr in genau dieser Besetzung angetreten waren. Lediglich der Untersatz war mit „Give me Five“ ein anderer.
  • Ein MDA43-Männer-Team mit Michael, Dennis, Andre und Jörn. Für den Steuersitz von „Hai 5“ konnte mit Hervé vom Bonner RV ein ganz erfahrener Rhein-Steuermann gewonnen werden.
  • Die bewährte Combo mit Jochen, Christian und Marc trat nach dem Ausflug in die Viererklasse im Vorjahr dieses Mal wieder in „dReiher“ in der offenen Dreierklasse an.
  • In der offenen Klasse starteten Matthias A., Emil, Antonio und Philip mit Sabine an den Steuerseilen. Auf 2 Ruderpositionen verändert ging es in „halb zehn“ um nicht weniger als die Verteidigung des Vorjahres-Gesamtsieges.

Zudem hatte Susann noch einen Ruf aus Karlsruhe bekommen und hielt in Renngemeinschaft mit Kolleginnen von der Karlsruher Alemannia und der Kettwiger RG bei den MDA50-Frauen das StCRC-Fähnlein hoch.

Die Vorbereitung in Form von gemeinsamen Trainingsausfahrten war eher übersichtlich. Am besten bekam dies noch das Mixed-Team hin, das ja in diesem Kreise auch abseits der Regattavorbereitungen des Öfteren den frühen Samstagmorgen auf dem Neckar begrüßt. Das MDA43-Team schaffte immerhin in den letzten 4 Wochen das eine oder andere gemeinsame Training. Die „halb zehn“-Crew brachte schließlich in der Vorwoche wenigstens noch eine Ausfahrt in Vollbesetzung auf den Ruderplätzen aufs Wasser, während der dReiher-Dreier sich auf die gemeinsamen Kilometer der Vergangenheit verlassen musste und im Vorfeld nur in Form von Zweier-Ausfahrten gemeinsam übte.

Anreise nach Köln und Rekord-Niedrigwasser auf dem Rhein

Seit vielen Jahren verbringen wir die Nächte vor und nach der Regatta in Köln und ersparen uns damit die Massenunterkünfte der Veranstalter und den Stress, mit knapp 150 anderen Mannschaften am Startort beim RTHC Leverkusen zu wassern. Dafür gibt es durch das Rudern zum Start allerdings noch einige Ruderkilometer auf die offiziellen 42,8 km der Regatta oben drauf. In diesem Jahr war die Anfahrt sogar noch einen knappen Kilometer länger als sonst, nachdem unser Stammquartier, das schwimmende Bootshaus des KCfW, aufgrund eines Werftaufenthalts nicht zur Verfügung stand. Beim Kölner Ruderverein fanden wir einen tollen Ersatz – natürlich ohne Schiffsflair, aber dafür mit sehr großzügigen Übernachtungsmöglichkeiten im Fitnessraum und in den Umkleiden, einem schönen Aufenthaltsraum und einem großen Bootsplatz. Über mehrere Stunden hinweg trudelten am späteren Freitag die Leute ein. Von jedem Boot waren genügend Besatzungsmitglieder früh genug vertreten, um am Freitag noch vor Einbruch der Dunkelheit alle Boote regattabereit präpariert zu bekommen.

Der 3. Oktober – Tag der Deutschen Einheit und, für uns natürlich viel wichtiger, Tag des 55. Rheinmarathons von Leverkusen nach Düsseldorf. Konnte vor 2 Jahren vom StCRC-Team bei Top-Bedingungen noch der Uralt-Rekord gebrochen werden, so drückte diesmal ein ganz anderer Rekord dem Rennen den Stempel auf: Rekord-Niedrigwasser! Ein paar Tage vor dem Event wurde in Köln der niedrigste Pegel ever gemessen, und bis zum Regattatag legte der auch nur ein paar Zentimeterchen zu. Ein deutlich sichtbares Zeichen für diese Anomalie war der KRV-Steg, der mitten auf einem breiten Sandstrand lag, den man eher an die Adria als an den Rhein verortet hätte. Und die sonst so beeindruckende Strömung des Rheins war sichtbar schwach auf der Brust und würde definitiv nicht den Zusatz-Boost liefern, den man gewohnt war. Also gab es diesmal richtig viel (Ruderzeit) fürs (Melde-)Geld. Auf der Pro-Seite standen dafür ein stark reduzierter Schiffsverkehr und gute meteorologische Rahmenbedingungen bei ca. 20 °C und leichtem, im Laufe des Tages abnehmendem Wind aus Südost (beim RM die bevorzugte Windrichtung, da über weite Strecken schiebend!).

Ein langer Renntag mit knappen Entscheidungen

Am Samstagmorgen ging es für die StCRC-Teams kurz vor 9 Uhr los. Ungefähr in Stundenabständen machten sich die 4 von Köln aus startenden Boote auf den Weg zum RTHC Leverkusen, um pünktlich zu den offiziellen individuellen Startzeiten zwischen 10:15 Uhr und 13:04 Uhr das Rennen aufzunehmen. So 70 bis 80 Minuten musste man ab dem KRV-Bootsplatz schon einplanen für den ungewöhnlich langen Weg zum Rheinufer, den Wasser-Einstieg und die knappen 12 km Anfahrt. Dieser Aufwand blieb Susann mit ihrer Renngemeinschaft erspart – sie mussten sich einfach nur beim RTHC bis zum Aufruf gedulden und in die Schlange stellen. Im Gegensatz zum Vorjahr lief es am Startort aber reibungsarm und man fiel maximal etwa 20 Minuten hinter den Zeitplan zurück.

Zu den Rennen selbst gibt es gar nicht so viel zu berichten: Alle StCRC-Teams kamen gut und ohne Zwischenfälle über die Strecke. Und alle waren erstaunt, dass das Rennen nicht nur zeitlich erheblich länger dauerte als üblich, sondern auch deutlich mehr Meter auf dem Tacho standen. Dies war eine Folge davon, dass man bei solch extremem Niedrigwasser die strömungsarmen Innenkurven konsequent vermeidet und sich die Zusatzmeter in Strommitte bis Außenkurve auf dem kurvigen Rheinabschnitt echt „zusammenläppern“. Eine weitere allgemeine Erfahrung war, dass nach der berühmt-berüchtigten Gerade von Benrath, die diesmal ohne strammen Westwind ihrem schlechten Ruf nicht nachkam, alle auf der verzweifelten Suche nach Strömung waren – und diese nicht fanden, da schlicht nicht vorhanden. Da sah man schon über eine längere Strecke Geschwindigkeiten, die man stromab auf dem Rhein nicht sehen will! Ebenso wie man gegen Ende der Schinderei die Anfeuerung „nur noch 4 Kilometer“ nicht hören will, wenn auf der GPS-Uhr schon die 40 km durch sind. Aber wir sind ja mit einer knappen Bonus-Meile schlussendlich alle angekommen – und das gar nicht mal so schlecht:

  • Das Mixed-Team erreichte in 2:44:44 h den 5. Platz in seiner Klasse. Etwas schade: Zum Vierten fehlten gerade mal 9 Sekunden – aber als Vierter hätte man ja wiederum mit der undankbaren Platzierung hadern müssen…
  • Susann fuhr mit ihren Mädels die Strecke in 2:41:55 h und errang damit den einzigen StCRC-Klassen-Sieg des Tages in einem 12er-Feld – herzlichen Glückwunsch!
  • Zu einem Podestplatz reichte es für die MDA43-Jungs: In 2:32:23 h sicherten sie sich unter den 10 Booten ihrer Klasse den dritten Platz. Dieselbe Platzierung erreichten sie auch in der Nicht-Rhein-Anrainer-Wertung, zudem einen tollen 11. Gesamtrang.
  • Unser Dreier-Team belegte in einem engen Rennen mit den 3 Erstplatzierten innerhalb einer Minute in 2:37:39 h den zweiten Platz. Die 21 Sekunden Rückstand zum Platz an der Sonne taten schon ein bisschen weh – in zweifacher Hinsicht (s. u.)…
  • In der offenen Klasse reichte es ebenfalls zum zweiten Platz in der Klasse, gleichbedeutend mit dem zweiten Gesamtrang (von 170 Booten). Hier musste man sich in 2:24:56 h mit deutlichem Rückstand von 57 Sekunden der starken Renngemeinschaft aus Berlin/Kleve/Köln/Neuwied geschlagen geben. Den Pokal für das schnellste Team eines Nicht-Rhein-Vereins gab es aber immerhin – auf den hat der StCRC allerdings auch ein Abo (seit 2018!).

Wirklich traurig war halt, dass es nach den Vorjahreserfolgen diesmal nicht zum Gewinn des Schüssel-Alt-Schildes für die beste Gesamtzeit der schnellsten 3 Teams eines Vereins gereicht hat. Bei einem Rückstand von gerade mal 12 Sekunden fragt man sich dann schon, wo die liegen geblieben sein könnten. Wie auch immer – manchmal verliert man, und manchmal gewinnen die anderen. Herzlichen Glückwunsch an den RTHC Leverkusen!

Ausklang in Köln und Heimreise

Kurz nach der Siegerehrung ging es für die einen direkt nach Hause, für den größeren Teil der Gruppe mit Clubbus und Deutschland-Ticket zurück nach Köln. Als Abschluss hatten wir auf Tipp der Natives des Kölner RV Tische in einer Location in 500 m Fußmarsch-Entfernung vom Club gebucht. Leider hatten wir das „Glück“, dass dort eine supertolle Sonderaktion stattfand: Bayerische Woche! Auf der positiven Seite stand eine interessante Auswahl an Bieren, auf der negativen eine reduzierte Auswahl an (allesamt bayerischen) Gerichten und arg laute Musik eines Genres, das nicht unbedingt unseres war. Wir wurden hart mit Gassenhauern der Volxmusik inklusive einiger „Prosits der Gemütlichkeit“ malträtiert und waren ganz dankbar und glücklich, als wir schließlich den Abend gemütlich und ohne Beleidigung unserer Gehörgänge im KRV-Aufenthaltsraum auslaufen lassen konnten.

Die sonntägliche Rückfahrt lief recht geschmeidig. Das alljährliche Zusammenfallen mit dem Köln-Marathon machte die Abreise etwas schwieriger, stellte uns aber vor keine unlösbaren Probleme. War letztendlich die Clubbus-Bootstransport-Gruppe nicht mehr sonderlich groß, so warteten bei der Ankunft schon einige der samstäglichen Heimschläfer der diesjährigen RM-Truppe und das Abladen, Saubermachen, Aufriggern und Aufräumen der Boote war schnell gemacht. Auf ein Neues im nächsten Jahr – dann hoffentlich wieder mit mehr Wasser/Strömung im Bach, flotteren Zeiten und, bei engen Entscheidungen, den Sekunden auf unserer Seite!

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